Den Blick verändern.

Lebenselixier: Anerkennung

Früher war ich unheimlich stolz auf meine lange To-Do Liste. Stolz darauf, dass ich alles im Griff hatte und darauf, dass ich mich verausgabte, um auch noch mehr stemmen zu können – ähnlich wie ein Lastesel.

Das war nicht nur bei der Arbeit so, wo ich viele, viele Stunden verbrachte. Wenn ich nach Hause kam, machte ich dort mit dem weiter, was dort liegen geblieben war. An Wochenenden kümmerte ich mich um den Garten, putzte das Haus und kümmerte mich um das, was es zu tun gab. Arbeit liegen lassen – oder sogar abgeben – konnte ich nicht. Selbst ist die Frau – durch und durch!

Manchmal war ich so k.o., dass ich abends schon auf der Couch einschlief. Mein damaliger Mann versuchte mich immer zu einen Mittagsschlaf oder zumindest eine kleine Verschnaufpause mit einer leckeren Tasse Kaffee zu überreden. Aber diese Bemühungen seinerseits trieben mich auf die Palme! Ich wollte selbstbestimmt und stark sein! Da gehört nun einmal nicht dazu, dass man sich eine Pause gönnt. Was sollen dabei nur die anderen denken?!

Tja, ….die Meinung anderer…

Ich freute mich über den stolzen Blick meiner Eltern, die Komplimente meiner Schwiegereltern und auch über den Erfolg bei der Arbeit. Mein Verhalten hinterfragte ich damals nicht, sondern machte stur weiter.

Als ich schwanger wurde und die Frage nach Elternzeit aufkam, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, ein ganzes Jahr zu Hause zu bleiben. Arbeit war ein dermaßen zentrales Element in meinem Leben geworden, dass ich Angst davor hatte, mir würde zu Hause vom „nichts tun“ die Decke auf den Kopf fallen. Und so mutete ich mir nach dem Mutterschutz bereits 30 Stunden zu.

Du ahnst es schon: Das erste Jahr mit meiner Tochter war eins der schwersten. Ich hatte total unterschätz, was es bedeutet, sich um ein Kind zu kümmern. Doch mein Ehrgeiz, alles zu stemmen und nach außen zu glänzen trieb mich weiter an. Und natürlich meisterte ich es… zumindest nach außen hin. Innerlich fühlte ich zunehmend eine Leere. Ich funktionierte nur noch. Wirkliche Freude mit meiner Tochter konnte ich selten empfinden und das schlechte Gewissen, nicht immer auf sie eingehen zu können, wenn sie mich brauchte, machte sich in mir bequem…

Heute weiß ich, dass damals:

  • die Anerkennung anderer mein Lebenselixier war,
  • mein Perfektionismus und mein Fleiß mir halfen, noch mehr von dem zu bekommen, nach dem ich süchtig war, und
  • mein schlechtes Gewissen ein Indikator dafür war, zu erkennen, wer gerade die meiste Aufmerksamkeit von mir brauchte.

Was ich damals nicht im Blick hatte:

  • ich darf auch schwach sein
  • ich darf mir wichtig sein
  • ich darf mich um mich selbst kümmern
  • ich brauche nicht die Anerkennung anderer um ein wertvoller Mensch zu sein
  • ich darf das Leben genießen

In den letzten Jahren durfte ich dies für mich lernen und ich bin dankbar für die Helfer, die ich auf dem Weg hatte. Auch wenn ich mich von Zeit zu Zeit immer noch dabei erwische, dass ich mich unter Druck setze, weil ich X, Y und Z noch erledigen möchte, so schaffe ich es, mich doch mal liebevoll auf die Schulter zu tippen und daran zu erinnern das „Alles darf, nichts muss.“ Dann kann ich durchatmen und mit einem frischen Blick entscheiden, was gerade wirklich wichtig ist und was ggf. warten oder gestrichen werden kann.

Heute bin ich sehr dankbar, dass ich durch dieses dunkle Tal gehen durfte. Es hat mich wach gerüttelt und mein Leben zum Besseren verändert.


Wenn auch du etwas für dich ändern möchtest, stehe ich dir gerne helfend zur Seite. Weitere Infos zu meiner Unterstützung findest du auf Facebook: https://www.facebook.com/BeratungEbel/

Falls du dich mit Gleichgesinnten arbeitenden Müttern zu diesem Thema austauschen möchtest, komm gerne in meine geschlossene Gruppe auf Facebook: https://www.facebook.com/groups/DenSpagatMeistern/

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